Stäbe und Knoten

 

 

Stäbe und Knoten

2018
gemeinsam mit Clemens Mock (https://clemensmock.net/)
Installation aus Holzstäben, Schnüren,
unterschiedlich feine Abstufungen weißer Farbtöne

Stäbe und Knoten sind die Grundelemente einer komplexen Struktur, die momentan in modellhafter sowie gedanklicher Form immer stärker Gestalt annehmen. Diese beiden Elemente bilden die Arbeitsgrundlage für die Zusammenarbeit mit Clemens Mock. Während in meinen Arbeiten die Auseinandersetzung mit dem visuellen Wahrnehmungsraum basierend auf den wissenschaftlichen Aspekten der Geometrie zu Tage tritt, beschäftigt sich Clemens Mock in seinen Installationen mit einem interdisziplinären und experimentellen Raumbegriff. Beide haben in Stäben und Knoten einen gemeinsamen künstlerischen Ausgangspunkt gefunden, aus dem sich eine komplex ausgearbeitete Struktur innerhalb des einmonatigen Projektzeitraums entwickelt hat. Das Potential dieser Grundelemente wird in Form einer raumgreifenden Installation als kooperativer Prozess erprobt. Der Knoten als archaische Kulturtechnik wird hier zum Gegenspieler einer Struktur, die ihre Äquivalenz eher im digitalen Raum findet. Mithilfe der geometrischen Technik der Triangulierung werden Formen ohne festen Regeln oder Algorithmen weiterführend gebaut, welche ein erlebbares und auf gewisse Art freies Fraktal wird. Dabei wird eine virtuelle Form von Raum, wie auch die urbane Vernetzung eine ist, auf den analogen Raum übertragen und in eine ortsspezifische Installation übersetzt. So wie die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt immer stärker verschwimmen, so ist auch hier keine klare Trennung mehr notwendig.
Nur drei Strecken mit einem Anfangs- und einem Endpunkt braucht es, um eine Fläche zu definieren und somit einen bestimmten Ort abzustecken. Eine derartige Markierung funktioniert aber nur durch einen starken Kontrast. Ist dieser nicht gegeben, kann die Abgrenzung plötzlich unklar und diffus erscheinen. Jedem Stab der Installation wird eine eigene Farbigkeit zugeschrieben. Die dezenten und kaum wahrnehmbaren Nuancen kreisen um ein klares Weiß, ohne es je zu berühren. Auf den ersten Blick scheint sich die Struktur im white cube des Ausstellungsraumes zu verlieren. Erst im Laufe der Zeit wird man sich der verschiedenen Farbabstufungen bewusst. Unterschiedlichste Farbtöne, die sich subtil und doch merklich vom Hintergrund unterscheiden, bestimmen das Erleben der Installation, die mit unserer Wahrnehmung spielt. Es ergibt sich ein irritierender, optischer Effekt. Beim Versuch, die einzelnen Objekte zu fokussieren, entstehen immer wieder Unschärfen und räumliche Irritationen. Durch die Bewegung des Betrachters im Raum sind neue Perspektiven und so auch neue Formationen, Farbkontraste und räumliche Wirkungen wahrzunehmen. Mal scheinen die geometrischen Gebilde in einer klaren Ordnung von scheinbar rechten Winkeln vor uns zu schweben, mal dominiert der Eindruck von einem chaotischem Zusammenspiel.